Kostspielige Entscheidung im alkoholisierten Zustand

Kostspielige Entscheidung im alkoholisierten Zustand - Landgericht Köln
Über manche Entscheidung sollte man bekanntlich eine Nacht schlafen. Das hätte wohl auch der Beklagte eines jüngst vom Landgericht entschiedenen Zivilverfahrens besser getan.

(prejus) Kostspielige Entscheidung im alkoholisierten Zustand. Über manche Entscheidung sollte man bekanntlich eine Nacht schlafen. Das hätte wohl auch der Beklagte eines jüngst vom Landgericht entschiedenen Zivilverfahrens besser getan. Denn er traf eines Nachts eine für ihn recht kostspielige spontane Entscheidung. Als der Beklagte in der Nacht des 11.01.2015 gegen 2:00 Uhr alkoholisiert durch Pulheim ging, war er sich seiner Sache sicher. Er erkannte das vermeintliche Fahrzeug der Lebensgefährtin seines Vaters, der von der Mutter getrennt lebte. Da sich die Familiensituation für ihn insgesamt als problematisch darstellte, entschloss er sich, das Fahrzeug zu beschädigen. Mit einem Schlüssel zerkratzte er dessen Lack.

Allerdings wurde er nicht nur bei seiner Tat von einer Zeugin beobachtet, es stellte sich auch heraus, dass es sich gar nicht um das Fahrzeug der Lebensgefährtin des Vaters handelte. Die tatsächliche Eigentümerin des Fahrzeugs, die nicht zum Familienkreis zählte, ließ ihren Schaden begutachten und verlangte dann nicht weniger als 6.000,- € für die Beseitigung von Lackkratzern sowie Gutachterkosten und Auslagen. Was den Beklagten dabei verwunderte: er sollte nicht nur – wie er einräumte – die Fahrerseite zerkratzt haben, sondern auch die Beifahrerseite. Für die Beifahrerseite wollte er nicht aufkommen und zahlte lediglich einen Betrag von rund 1.333,- € für die Schäden an der Fahrerseite. Das Landgericht hatte nun die Frage zu klären, ob der Klägerin ein weitergehender Anspruch, u. a. auch für die Schäden auf der Beifahrerseite, zustand. Die Zeugin, die wartend in ihrem Auto saß, auf den Beklagten wegen seines augenscheinlich alkoholisierten Zustands aufmerksam wurde und ihn deshalb genau beobachtete, schilderte eindrücklich, dass sich der Beklagte nur auf der Fahrerseite zu schaffen machte.

Auch ein Gutachter, der sowohl mit dem vom Beklagten benutzten Schlüssel als auch Vergleichsschlüsseln Versuche durchführte, um möglicherweise durch die Kratzspuren eine Identität der „Tatwaffe“ auf Beifahrer- und Fahrerseite festzustellen, konnte nicht bestätigen, dass die Kratzer auf beiden Seiten aus derselben Tat stammten. Der Beklagte musste daher, wie von ihm eingeräumt, nur für die Schäden auf der Fahrerseite aufkommen. Auf diese sowie auf Gutachterkosten, Wertminderung und Auslagen musste er jedoch nach dem Urteil des Landgerichts noch weitere rund 940,- € zahlen, so dass ihn die nächtliche Idee insgesamt um rund 2.270,- € zuzüglich Verfahrenskosten erleichterte. Wie es zu den Kratzern auf der Beifahrerseite kam und wer hierfür einzustehen hat, konnte in diesem Verfahren nicht geklärt werden. Die Entscheidung vom 05.04.2018 zum Az. 7 O 135/15 ist nicht rechtskräftig und in Kürze unter www.nrwe.de im Volltext abrufbar.

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Quelle: Pressemitteilung des Landgericht Köln.
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